Zuverlässigkeitsvorhersagen werden allgemein in der Entwicklung von Produkten und Systemen angewendet, um alternative Entwürfe zu vergleichen und Fortschritt zu Zuverlässigkeitsentwurfszielen einzuschätzen. Sie werden oft kritisiert, keine genaue vorhersagen der Feldzuverlässigkeitsleistung zu sein, weil sie für alle Faktoren diese Ursache-Feldfehlschläge nicht normalerweise verantwortlich sind. Dennoch sind vorhersagen eine sinnvolle Form der Analyse, die auch einen Einblick in Sicherheit, Wartung und Garantienkosten und andere Produkt-Erwägungen gewähren.
Mechanische Systeme haben immer eine spezielle Herausforderung in bezug auf die Zuverlässigkeitsvorhersage wegen der Einzigartigkeit und Vielfalt von Bauteilen und Geräten dargestellt. Diese Systeme sind oft durch Abnutzung beeinträchtigt, was normalerweise nicht kein Problem für elektronische Systeme ist. Es gibt zwei grundlegende Vorhersagen, um die Zuverlässigkeit von mechanischen Systemen vorauszusagen:
MIL-HDBK-217 ist der Grundpfeiler der Zuverlässigkeitsvorhersagen seit etwa 40 Jahre, aber seit 1995 wurde das Handbuch nicht mehr aktualisiert und es gibt auch keine Pläne seitens des Militärs, es in der Zukunft zu aktualisieren. Das Handbuch beinhaltet eine Reihe von empirisch entwickelten Ausfallraten-Modellen, welche auf historischen Bauelemente-Teilausfallraten für eine breite Palette von Bauteiltypen basieren. Es gibt Modelle für eigentlich alle elektrischen/elektronischen Teile und ebenso einiger elektromechanische. Alle Modelle sagen die Zuverlässigkeit in bezug auf Ausfällen pro Million Betriebsstunden voraus und nehmen eine Exponentialverteilung (gleichbleibende Ausfallrate) an, welche die Addition von Ausfallraten erlaubt, höhere Gerätezuverlässigkeiten zu bestimmen. Das Handbuch enthält zwei Vorhersage-Modelle: die Bauteilbelastungstechnik (Parts Stress Prediction) und die Bauteilzähltechnik (Parts Count Prediction) und beinhaltet 14 verschiedene Arbeitsumwelten, wie Boden-befestigt, Bord-beobachtet etc. Wie die Namen es ausdrücken, verlangt die Bauteilbelaszungstechnik Kenntnis des Belastungsniveaus jeden Teils, um die Ausfallrate bestimmen zu können, während die Teilzähltechnik durchschnittliche Belastungen annimmt, um eine frühe Entwurfsabschätzung der Ausfallrate zu vorherzusagen. Typische Faktoren zur Bestimung der Bauteilausfallrate schließen einen Temperaturfaktor (πT), Leistungsfaktor (πP) Belastungsfaktor (πS), Qualitätsfaktor (πQ) und einen Umweltsfaktor (πE) zusätzlich zur Basisausfallrate λb) ein. Das Modell für einen Widerstand ist zum Beispiel wie folgt:
λWiderstand =
λb · πT · πP ·
πS · πQ · πE
Telcordia SR-332 ist dem MIL-HDBK-217 sehr ähnlich, aber es basiert in erster Linie auf Fernmeldedaten und umfasst fünf verschiedene Umweltbedingungen. Die Vorhersage nimmt auch eine exponentiale Ausfallverteilung an und berechnet die Zuverlässigkeit in bezug auf Ausfälle pro Milliarde Bauteil-Betriebsstunden oder FITs. Seine empirisch begründeten Modelle teilen sich auf in drei Kategorien: die Methode I als Bauteilzähl-Vorhersage, die angewendet wird, wenn keine Felddaten vorliegen; die Methode II, um Laborversuchdaten erweiterte Methode I und die Methode III, welche die Verfolgung der Feldausfälle einschließt. Methode I beinhaltet einen Erstes-Jahr-Modifizierfaktorr um Frühausfälle einzubeziehen. Die Methode II schließt eine Bayes-Bewertung ein, welche drei unterschiedlichen Fälle umfasst, abhängig davon, welche Stzfe des Burn-In das Teile oder das System durchlaufen hat. Methode III umfaßt auch eine Bayes-Bewertung, aber sie basiert auf drei unterschiedlichen Fällen abhängig davon, wie ähnlich das System zu dem ist, von welchen die Daten gesammelt wurden. Für die im Allgemeinen verwendete Methode I mit veränderlichem Burn-In, hängt die konstante Ausfallrate von der statischen Ausfallrate des grundlegenden Teils, der Qualität sowie der elektrischen Belastung und den Temperaturfaktoren wie folgt ab:
λSSi = λGi ·
πQi · πSi ·
πTi
IEC TR62380 ist die neue Version des UTE C 80-810 Zuverlässigkeitsvorhersage-Standards, der die meisten der MIL-HDBK-217-Bestandteile umfasst. Die Modelle schließen die Belastung der Teile ein wie den sich periodisch wiederholenden Temperaturverlauf. Diese Modelle sind sehr komplex für integrierte Schaltkreise, was die Information über äußere Systemumgebungen sowie Leiterplattenumgebungstemperaturen, Art der Technik, Anzahl von Transistoren, Jahr der Fertigung, Substrattemperatur, Arbeitszeit-Verhältnis, Lagezeit-Verhältnis, thermische Widerstände, Anzahl von thermischen Zyklen, thermischer Umfang der Veränderung, Anwendung des Teils ebensogut wie das von Transistoren; ausführungsbezogene und verpackungsrelevante Basisausfallraten. Es berechnet Zuverlässigkeit in bezug auf Ausfälle pro Milliarde Bauteil-Betriebsstunden, oder FITs.
217Plus® 217Plus ist die lange erwartete Aktualisierung einer Ersatzvorhersagemethodik für MIL-HDBK-217 „Zuverlässigkeitsvorhersage für Elektronische Ausrüstungen“ die weit verwendete Vorhersage, deren Weiterentwicklung von der US-Regierung 1995 aufgegeben wurde. 217Plus ersetzt PRISM®, veröffentlicht 1999. Die Anzahl von Bauteilausfallraten-Modellen wurde verdoppelt, effektiv MIL-HDBK-217F N2 ersetzend.
λP = λG (λOB · πDCO · πTO + λEB · πDCN · πTE + λTC · πCR · πDT) · λSJ · λEOS
IEC 61709 - Wenn Sie die übrigen Modelle zur
Ermittlung von Ausfallraten mit IEC-61709 vergleichen, werden Sie
einen großen Unterschied zwischen SR-332, IEC TR62380 und
MIL-HDBK-217 einerseits so wie IEC 61709 andererseits
feststellen. Die Umweltbedingungen, unter denen ein System
eingesetzt wird, finden bei der Berechnung nach IEC keine
Berücksichtigung, sondern nur die elektrischen Belastungen,
wie Strom und Spannung gehen in die Berechnung ein. Aus diesem
Grund wird die Berechnung nach diesem IEC-Standard 61709
international nur als Bauteilzählmethode (parts count method) eingestuft und hat
außerhalb D-A-CH fast keine Bedeutung. Es kommt auch hinzu, dass es kein Berechnungsverfahren ist, sondern nur Herstellerdaten aufadiert werden. Damit ist eine nachvollziehbarkeit kaum möglich oder sehr aufwendig. Dieser Standard sollte nur herangezogen werden, wenn eine Kunde unbedingt darauf besteht.
Physik der Ausfälle (PoF) versucht, das
„schwächste Glied“ eines Designs zu
identifizieren, um sicherzustellen, dass die geforderte
Geräte-Lebensdauer durch den Entwurf überschritten wird. Die
Methodik ignoriert im Allgemeinen die Ausfallursachen, welche
während der Herstellung auftreten und nimmt an, dass die
Produkt-Zuverlässigkeit ausschließlich durch die vorausgesagte
Lebensdauer der schwächsten Verbindung bestimmt wird.
Musterbeispiele sind bei Mikroschaltkreise Die-Attach Ermüdung,
Bindung schließt flexure Ermüdung an und Die Ermüdungsknacken.
Die Modelle sind sehr kompliziert und erfordern ausführliche
Informationen der Teilegeometrie und der Materialeigenschaften.
Im allgemeinen werden Modelle ausgedacht, welche während des
fürhen Entwicklungsstadiums (z.B. bei Hybidschaltkreisen) am
nützlichsten sind aber nicht auf der Zusammenbauebene, wenn eine
Flexibilität nicht mehr existiert, um die Entwürfe von Teilen zu
ändern.

IEEE Gold Book liefert Daten bezüglich
Systemzuverlässigkeit in industriellen und kommerziellen
Netzverteilungsystemen. Zuverlässigkeitsangaben für
unterschiedliche Arten der Ausrüstung werden zusammen mit anderen
Aspekten der Zuverlässigkeitsanalyse für Stromnetze, wie
Grundmodelle der Zuverlässigkeitsanalyse,
Wahrscheinlichkeitsmethoden, Grundlagen der
Zuverlässigkeitsauswertung von Netzausfällen, der ökonomischen
Auswertung der Zuverlässigkeit und der Kosten des Netzausfalls
zur Verfügung gestellt. Das Handbuch wurde 1997 aktualisiert;
jedoch sind die neuesten Zuverlässigkeitsangaben, die im Dokument
genannt werden, von 1989 und älter.
SPIDR
SPIDR ist eine umfassende Datenbank der Zuverlässigkeit und Testdaten für Systeme und Bestandteile. SPIDR, ein Akronym für System and Part Integrated Data Resource, ersetzt vier weltbekannte xx (NPRD, EPRD, FMD, und VZAP). SPIDR enthält System- und Bauteilfelddaten, Umwelt- und Lebensdauertestdaten, Empfindlichkeit für elektrostatische Entladung (ESD) und Schadensbilder. Feldausfalldaten werden sowohl in Betriebs- als auch Kalender-Stunden präsentiert. Ausführliche System- und Bauteilinformationen schließen Sachnummer(n), Hersteller, Datum-Code, Bauteil-Belastungen, Umgebungsbedingung und Umweltbelastungen ein.
Die SPIDR Datenbank enthält über 6000 verschiedene Arten mechanischer und elektronischer Bauteile und Systeme. SPIDR enthält:

NPRD-95 umfasst Ausfallraten für eine große Zahl von
Betrachtungseinheiten, einschließlich mechanischer und
elektromechanischer Bauteile und Systeme. Das Dokument enthält
ausführliche Ausfallraten von mehr als 25,000 Teilen zahlreicher
Bauteil-Kategorien gruppiert nach Umwelt- und Qualitätsniveau.
Weil die Daten den Zeitpuknt des Auftretens nicht einschließen,
enthält das Dokument durchschnittliche Ausfallraten sowohl für
Ausfälle und Lebensdauerende. Kumulativ umfaßt die Datenbank etwa
2.5 Trillionen Bauteil-Stunden und 387,000 Ausfällen, angesammelt
von Anfang der 1970er Jahre bis zum Jahr 1994. Die gelisteten
Umwelten sind gleich denen von MIL-HDBK-217; jedoch sind die
Daten für manche Umweltbedingungen stark eingeschränkt. Für diese
Fälle wird es dann notwendig sein, Schätzungen mit den
vorhandenen Daten durchzuführen.

NSWC-07 - Handbook of Reliability Prediction Procedures
for Mechanical Equipment.Dieses Handbuch von CDNSWC enthält Ausfallraten-Modelle für grundlegende Klassen mechanischer Bauteile. Die Modelle schließen Materialeigenschaften und die konstruktive Ausführung ein, um die Zuverlässigkeit der Teile zu ermitteln. Es werden auch mögliche Ausfallursachen für die FMECA genannt, wie Bruch durch Ermüdung und übermäßige mechanische Beanspruchung. Die Zuverlässigkeit hängt vom Material, den Abmessungen und den Einsatzbedingungen ab. NSWC-07 enthält Berechnungsmodelle, um die Ausfallraten mechanischer Bauteile vorauszusagen. Der Nachteil der Annäherung ist, dass die Modelle die Eingabe wesentlicher Kennwerte (z.B. Materialeigenschaften, angewandte Kräfte) voraussetzen. Die Bereitstellung dieser Daten bereitet sehr oft Schwierigkeiten.
Auch wenn MIL-HDBK-217 von Tag zu Tag mehr
veraltet, bleibt es die am meisten verwendete Technik für
die Elektronik. SR-332 findet in der Kommunikationstechnik eine
weite Anwendung und wird im Allgemeinen als bessere
Zuverlässigkeitsvorhersage für
Telekommunikationseinrichtungen gesehen.
Für mechanische Bauteile
ist NPRD-95 am meisten verbreitete Datenbank, die auch schon in die Jahre gekommen ist. SPIDR™ bietet eine viel umfangreichere Datensammlung. NSWC-07
bietet eine Möglichekit der Vorhersage, wenn die
erforderlichen ausführlichen Eingangsdaten vorhanden sind.
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